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Endlich: Schopfheimer Feuerteufel gefaßt

Wieder zündete ein Floriansjünger Häuser an!

Nach monatelangem Bangen um Haus und Hof fiel vergangene Woche den Schopfheimer Bürgern ein Stein vom Herzen: Der Feuerteufel wurde gefasst.

Schopfheim (rw) Bei dem Täter handelt es sich um einen 22jährigen Monteur aus der Gemeinde.

Er hat inzwischen 17 Brände auf sein Konto genommen. Das Erschreckende: Schon wieder war der Brandstifter ein Feuerwehrmann; wie auch bei einer Brandserie vor acht Jahren. Bereits Ende April fiel der Verdacht der Kripo Lörrach auf den jetzt gefassten Mann.

Der Psychologe Frank Finke aus Schopfheim über den Brandstifter (Fortsetzung von S.1)

Pyromane unter dem Deckmantel der Feuerwehr

Kreis Waldshut. Damals brannte ein Holzgroßhandel nieder, bei dem der Pyromane beschäftigt war. Nach mehrwöchiger Observierung schlug die Polizei am Dienstagmorgen zu. Nachdem der junge Mann den Brand in einem Mehrfamilienhaus mit Hilfe von Kartonagen in Brand gesetzt hatte und - inzwischen wieder zurück in seiner Wohnung - zuverlässig als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr von Schopfheim seiner ehrenamtlichen Pflicht nachgehen wollte, empfing ihn die Polizei vor seiner Haustüre. Der Alleinstehende gestand seine Schuld sofort: "Es ist über mich gekommen… ich habe aus einem inneren Drang heraus gezündelt". Der Gesamtschaden der "Zündeleien": acht Millionen Mark!

Der Psychologe Frank Finke aus Schopfheim über das Täterprofil:


SZ: Gibt es das häufiger, dass Feuerwehrmänner Brände legen?


FRANK M. FINKE: "Nun, unter Psychologen werden Sie Menschen finden, die einen Knacks haben, unter Chirurgen werden Sie Menschen finden, die Sadisten sind. Daher denke ich, einen Pyromanen finden Sie logischerweise unter Feuerwehrleuten."


SZ: Kommt hier eine Art Verdrängungs- mechanismus ins Spiel?

FRANK M. FINKE: "Die Leute können sich unter einem Deckmantel bewegen, nach dem Motto: "So falle ich am wenigsten auf."


SZ: Lässt sich aus der Beschreibung des Täters durch die Kriminalpolizei Lörrach und aus seinen eigenen Aussagen heraus, das Motiv zu den Brandstiftungen erklären?

FRANK M. FINKE: "Sicher gibt es bei allen Pyromanen eine Gemeinsamkeit, aber man muss definitiv über den Einzelnen viel wissen, um ihn beurteilen zu können. Spontan würde ich behaupten, bei solchen Gewaltakten geht es häufig darum, im Rampenlicht zu stehen. Diese Menschen haben nicht genug Zuwendung bekommen."


SZ: Rührt das von unbewältigten Kindheitserlebnissen her?

FRANK M. FINKE: "Ja; aber das Gefühl, vernachlässigt worden zu sein, besteht oftmals nur subjektiv."


SZ: "Und dann wird man zum Feuerteufel?

FRANK M. FINKE: "Ich habe bei Pauschalurteilen Schwierigkeiten. Es kann sein, dass unser Mann unter Umständen gar kein Pyromane ist, sondern nur etwas über Pyromanie gelesen hat und das als Vorwand für seine kriminellen Pläne nimmt."


Evangelische Stadtkirche von Schopfheim

Mit einer Bibel zündete der junge Brandstifter die Evangelische Stadtkirche von Schopfheim an.

Foto: Winterhalter

© Sonntags Zeitung 1996

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